"Geschehen im stinknormalen Koblenz die Geschichten wirklich...?"

Mischa Bach, alias Dr. Michaela Bach wurde 1966 in Neuwied geboren. Nach ihrem Abitur arbeitete sie zwei Jahre an der Landesbühne Rheinland-Pfalz in diversen Funktion. Anschließend studierte sie Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaften in Bonn und Essen, wo sie heute lebt. Seit 1982 veröffentlicht sie ihre Werke, für "Der Tod ist ein langer trüber Fluss" erhielt sie 2001 den Martha-Saalfeld-Preis. So vielseitig wie ihr beruflicher Werdegang, sei es als Lehrbeauftragte an den Universitäten Essen und Köln, ihre Tätigkeit in der Erwachsenenbildung oder ihre Arbeit als Übersetzerin, sind auch die Themen ihrer Krimis.

"Geschehen im stinknormalen Koblenz die Geschichten wirklich, die ansonsten die Filmemacher in Paris oder Rom ansiedeln...?" fragt eine Journalistin aus Mischa Bachs neuestem Buch. Mit der Kriminalnovelle "Der Tod ist ein langer trüber Fluss" beantwortet die aus Neuwied stammende Autorin diese Frage bejahend. Die im März dieses Jahres im Brandes und Apsel Verlag erschienene Kriminalnovelle der Rheinländerin ist fesselnd und hinreißend. Und wenn man mit der ersten Seite des Buches anfängt, dann lässt man die Lektüre solange nicht aus den Händen, bis man das völlig unerwartete und spannungsgeladene Finale erreicht hat. Im Laufe der Novelle lenkt Mischa Bach den Leser immer wieder geschickt mit ihren feinen Anspielungen auf den weiteren Fortgang der Geschichte. Bereits auf den ersten Seiten des Buches erfahren wir die Namen der Hauptpersonen, wenn auch nur erfundene: Ophelia und Hamlet. Schon versetzen wir uns gedanklich in Shakespeares "Hamlet" und erwarten voll Spannung eine reizvolle und packende Liebesgeschichte. Falsch gedacht! Hamlet ist tot und seine Leiche ist in die Bonner Gerichtsmedizin gebracht worden, wo Ophelia arbeitet. Wenngleich Ophelia zwar lebendig ist, ist sie eine Frau ohne Erinnerung und daher ohne eine Vergangenheit, an die sie sich erinnern kann. Ein äußerst bizarrer Vorspann für eine Liebesgeschichte.
Während Ophelia kein eigenes Vorleben besitzt, scheint der tote Hamlet ein solches zu haben. Darauf deuten die in seinen Taschen gefundenen Besitztümer hin: ein Reclamheft mit einigen unterstrichenen Zeilen und ein Kinderbild. Unsere Ophelia, die nebenbei bemerkt ihren Spitznamen wohl aus Shakespeares "Hamlet" erhält, weil sie ebenso wie Shakespeares Ophelia ihren Tod im Wasser sucht, aber nach ihrem angeblichen Selbstmordversuch aus dem Rhein doch gerettet wird, scheint an unserem Hamlet besonders interessiert zu sein. Wissbegierig ist sie nach seinem Leben und den Ursachen, die zu seinem Tod führten. Ihre merkwürdige Begabung, die Stimmen der Toten hören zu können, trägt dazu bei, dass sich ihr Wissensdurst noch mehr steigert. Entschlossen, die Puzzleteile der Geschichte unseres Hamlets zusammenzufügen, macht sie sich auf den Weg nach Koblenz. Und hier beginnt eine komplizierte und oft auch gefährliche Reise nicht nur in Hamlets, sondern auch in ihre eigene Vergangenheit. Ob sie diese finden wird?
Leser, die aus der hiesigen Region kommen, dürften nicht nur an dem Verlauf der Geschichte an sich interessiert sein. Sondern auch daran, dass in der Novelle immer wieder vertraute rheinländische Ortschaften und Sehenswürdigkeiten vorkommen, wie zum Beispiel die Städte Andernach, Montabaur, Wiesbaden und das Reiterdenkmal am Deutschen Eck. Ebenso wird die Kneipenszene in Koblenz und seinen Stadtteilen beschrieben. Mit den Hauptpersonen gelangen wir vom Koblenzer Hauptbahnhof ins Cafe "Mumpitz" und von dort aus in die "Kulturfabrik" im Stadtteil Lützel. Aber gleichzeitig wird der neugierige Leser vergeblich das Koblenzer Telefonbuch nach den Namen einzelner Cafes und Restaurants durchkämmen. Sie existieren nicht und sind der Phantasie der Autorin entsprungen.
Was die Novelle ansonsten lesenswert macht, ist die Tatsache, dass Mischa Bach uns nicht nur einen Krimi erzählt, sondern sich auch mit sozialen Problemen heutiger Zeit und dem ewigen Thema der Vater-Sohn-Beziehung befasst. Da das Buch in der Ich-Form geschrieben ist, kann sich der Leser mühelos in die Situation der Hauptpersonen hineinversetzen und das Geschehen mit ihnen zusammen und aus ihrer Perspektive erleben. Tun auch Sie das! Und erleben Sie den Rhein aus einem anderen Blickwinkel, nicht als den romantischen Vater Rhein mit seinen weißen Ausflugsschiffen, seinen ausdrucksvollen und malerischen Ufern, seinen steilen Weinbergen und seinen in die Ritterburgen schwärmenden Touristen, sondern erleben Sie den Rhein als einen "langen trüben Fluss".

Maria Ackermann und Silvia Sartor

Erschienen in der Rheinzeitung