Literaturnetz Mittelrhein

Eine Informationsplattform zum literarischen Leben in der Region Mittelrhein.

Hier erhalten Autoren die Möglichkeit, kurze Texte oder Textauszüge zu veröffentlichen. Wenn Sie Interesse haben, schicken Sie uns Ihre Leseprobe an folgende Adresse literaturnet@uni-koblenz.de


Wurzelwerk

Mitten in der Welt stand ein prächtiger Baum fest verwurzelt in der Erden. Einst
war er als noch unbenanntes Samenkorn in den Boden von Hambach gefallen. Er
keimte, wurzelte und wuchs im milden Licht der Sonne heran, vor Wind und
Wildschaden beschützt durch Pflanzen, die schon längst gefestigt an diesem Ort
verwachsen waren und nun mit dem frischen Sprössling das Wasser des kühlen
Grundes teilten. Nach etlicher Zeit mit manch kriegerischen Unwettern
beherrschte er stark und mächtig seinen Platz. Seine rote Krone füllte den Raum
zum Himmel mit ihrem reichen Blattwerk und beschirmte alles ob Farne oder
Kuckucksblumen als auch jegliches Getier zu jeder Jahreszeit.
Da brachte ein Sturm einen Schössling daher. Zuerst verfing er sich in dem
winkenden Blattwerk der stattlichen Blutbuche. Die Windböen zauselten weiter,
verwickelten das fremde grüne Laub in den alten Ast, der selbst sich beugen
musste, um die Ordnung seiner Zweige zu erhalten. Da riss ein neuerlicher
Windstoß den Schössling ab, der verlor gar einen Trieb und fiel auf den Boden,
den eine Wildsau tags zuvor aufgewühlt hatte. Regentropfen tupften trommelnd
seine zarten Würzelchen in die Erde, die sie gleich umschloss. Der Schössling
war fern seiner Muttererde gefangen in einer neuen Welt. Der alte Baum runzelte
seine Rinde unwirsch, so nah war Fremdes bislang nicht an seinen Stamm
gedrungen. Die würzige Ausdünstung des kleinen Fremdlings war ihm unbekannt,
unangenehm und unheimlich. Ob er wohl klein bleiben würde? Oder würde er ihm
eines Tages das Licht verstellen? Gar größer und weiter in die Lüfte ragen als
er selbst? Selbstsichernd spreizte er sein Geäst bis hin zum höchsten Wipfel,
während der Schössling zitterte bei jedem zarten Hauch. Er war verletzt,
gebrochen, getrennt vom sanften Mutterschoß. Ihm war so
? kalt und elend. Seine Blätter hingen schlaff an den geschundenen Stängeln. Wie
sollte er sich nähren? Mit wem sich wiegen? Wasser war um seine Wurzeln, das
spürte der Schössling. Könnte er es nehmen? Würde es ihm bekommen? Es quoll
anders als daheim. Er brauchte Mut für den ersten Zug. Salziger war das Nass,
das seine Wurzelhärchen hier nippten, aber es tat wohl, und half ihm die
verbliebenen Blätter zu strecken. Zuversicht keimte in ihm auf, vielleicht würde
er an diesem Zufluchtsort doch leben können. Hoffend auf Asyl wuchsen erste
Seitenwurzeln versteckt durch den freien Boden, bis sie auf knorrigen Widerstand
stießen. Ein Kitzeln am Fuß weckte die Blutbuche aus ihrem Tagtraum. Der
Schössling war zum jungen Baum geworden und jetzt also beanspruchte er auch in
der Erde Raum und Recht. Das behagte dem alten Holz gar nicht. Was, wenn der
Neue zu viel Wasser nahm? Er schickte selbst junge Wurzeln aus, um das
Bestehende zu wahren und so verwoben sich die beiden Wesen baumeisterlich,
fanden Wege, Brücken und Tunnel für ihr Wurzelwerk in der Erde, die geduldig
alle weiter nährte und dafür ihre Herbstblätter entgegennahm.
Wieder kam ein Wind, wuchs zum Orkan, brachte prasselnden Schrotregen und
Kugelhagel mit sich, der in den Boden stach, das Erdreich teilte, die Scholle
schürfte und die Krume wegspülte. Die Bäume kämpften um ihren Grund. Ihre Kronen
bogen sich im Sturm fast bis zum Bruch. Doch jetzt spürten sie, wie gut es war,
miteinander verwurzelt zu sein. Sie krallten sich sichernd ineinander fest, der
eine war der Anker des anderen und in ihrem Wurzelgeflecht hielten sie gemeinsam
schützend die Erde fest, die sie alle so brauchten. Allein wären die prächtige
Blutbuche ebenso wie der Schössling und alle anderen verloren gewesen, aber als
Mischwald überlebten sie dieses Unwetter.
So weben sie, die einst Fremden, einig weiter an ihrem alles erhaltenden
Wurzelwerk: der freiheitlich, demokratischen Grundordnung, um den Frieden des
Lebens stetig zu sichern.

Sonja Hauertmann



DAS WARTEN

Es gibt bei uns sehr viele Arten
Verbringen Sein mit ständig Warten
Bei Tagbeginn schon auf den Abend
Weil Arbeit meistens nicht erlabend
Am Montag auf das Wochenende
Dort sucht vergebens man die Wende
Weil dieses Ende - welche ein Mist
Der Anfang neuen Endes ist
Was wir als Leben oft betrachten
Mit Warten es vertun - verachten
So gehn die Tage in das Land
Die Wochen, Jahre - unerkannt
Vertan - für meistens nutzlos Sachen
Die vordergründig Freud' nur machen
Liegt man auf letztem Lager dann
Hätt' gern die Chance - fing noch mal an
Doch kommt der Sensenmann und mäht
Für dieses Leben ist's zu spät
Man hat in seinem langen Leben
Die Zeit mit Warten nur vergeben
Nun noch ein Wort zu guter Letzt:
Wir leben immer nur im JETZT!

Jürgen Stange



Sinnfrage
Die Kusinen sinnen,
ob der Sinn des Lebens
sei, ein Garn zu spinnen,
oder ganz vergebens.
Sie umgarnen eng
sinnlich den Kusin.

Hein Mecker



Der Weg ist das Ziel oder sinnlose Suche (Limerick)
Ein Pfadfinder suchte den Sinn
seines Lebens. Es war keiner drin.
Schönen Unsinn, den fand er.
Das kommt, weil - gestand er -
ich Pfad - und nicht Sinnfinder bin.

Hein Mecker



Lebenswerte (Limerick)
Ein Weinlesebuchfreund erklärte
der Leibärztin, die er verehrte:
Es gibt auf der Welt
doch mehr Werte als Geld.
Ja, sagte sie, Fett-Leber-Werte.

Hein Mecker



Die Gäste, die als fette Ballen
zum Feste aus dem Bette fallen,
die pflegen immer mehr zu essen
und ihren Bauch nicht eh'r zu messen.
Erst faltet sich das Heck zu Spalten,
dann ist nicht mehr der Speck zu halten.
Sobald die letzte Hülle fällt,
fehlt alles, was die Fülle hält.
Sie stürzt im freien Fall aufs Bett,
ein Meteor, ein Ball aus Fett.
Die Federnkernmatratzen Krachen.
An dicken Schwarten kratzen Drachen.
Die Feinsten sind ein schwerer Fall,
die Schüttelreime fairer Schwall
von wohl gesetzten Worten
der hohl gewetzten Sorten.

Hein Mecker



Anziehend
Mit deinen Zügen nahen Halt erreichen
entzieht den Blicken ferne graue Trauer.
Schnell gleitet dein Gesichtszug über Weichen
zu hellem Lächeln. Schaue ich genauer,
neigt sich der Zug beizeiten auf die Seiten.
Wie werde ich, wohin er fährt, erfahren ?
Ein Windzug spielt mit deinen losen Haaren,
als würdest du auf einem Zugpferd reiten.

Hein Mecker



Einander mögen möglich
Möglichkeiten gibt es viel,
wen zu mögen, lieben
oder meiden. Zufall, Spiel,
was als Ziel geblieben :

Sich dem anderen entziehen
oder öffnen und enthüllen,
ihn als Fremden fürchten, fliehen
oder Nähe mit ihm füllen,

a n einander lehnen, freuen,
leiden, reiben und zerbrechen,
m i t einander flirten, zechen,
schlafen, keinen Rausch bereuen,

a u f einander fliegen, fallen,
treffen, hocken, hören, schauen,
achten, zu gehn, trauen, bauen,
stützen oder stürzen, prallen,

aufeinander angewiesen
sein wie Wein auf Gläser,
wie auf Regen Blumenwiesen,
wie das Vieh auf Gräser,

v o n einander halten, lernen,
lösen, trennen und entfernen.

Was die Sage klagt, klingt magisch.
Was dein Magen mag, erfrag ich.
Dich nicht mögen wäre tragisch
aber ist unmöglich, sag ich.

Hein Mecker



Leseprobe aus 'Duocarns - Schlingen der Liebe'
Chrom erwachte durch ein ungewohntes Geräusch. Psal stand vor dem Bett und zog ihre Jeans an. Sie hatte einen tadellosen Körper. Er betrachtete ihren strammen, kleinen Po mit einem geöffneten Auge. »Bleibst du hier?«, fragte sie telepathisch. »Möchtest du, dass ich auf dich warte?« Er öffnete das zweite Auge ebenfalls. Sie sah ihn an und strahlte. »Hast du denn noch Zeit?« Chrom nickte. »Ich nehme sie mir einfach«, lächelte er. Psals Strahlen wurde noch breiter. Sie warf sich ihren Anorak über. »Ich versuche mich früher zu verdrücken, okay?« Ohne zu antworten schloss er wieder die Augen und kuschelte sich in das Kissen, das noch nach ihr duftete.

Pat McCraw



Leseprobe aus 'Duocarns - Adam der Ägypter'
Eigentlich brauche ich auch meinen Schönheitsschlaf, dachte Terzia und betrachtete Lydia und Adam, die mit ihr zusammen in der ersten Klasse flogen und ruhten. Der Rest des Teams, Stylistin, Kosmetikerin und Friseur, waren in der zweiten Klasse untergebracht. Seltsam, Adam atmet kaum. Sie musterte seine stacheligen Haare, die er so gut wie nicht pflegte und für das er auch kein Gel verwendete. Ich frage mich, wie er die Haare immer wieder so hin bekommt, dachte Terzia. Sie betrachtete seine zartgoldene Haut. Wo er wohl wirklich herkam? So ein Teint war selten. Auch hatte sie bemerkt, dass ihm der Bartwuchs völlig fehlte.

Sie legte den Kopf schief und dachte an das Erlebnis mit Lucia. Wenn sie ehrlich war, hätte sie lieber ihn zwischen den Beinen gehabt als Lucia. Meine Güte, Terzia! Vielleicht ist er ja schwul, so wie er aussieht.

Sie würde in Paris wie ein Luchs auf ihn aufpassen müssen. Nicht, dass er noch als „Muse“ eines Herrn mit Pferdeschwanz endete. Aber nein, der bevorzugte ja schlanke Jüngelchen. Adam war zu muskulös. Sie musste über sich selbst grinsen. Ja, sie hatte jetzt schon verdammte Besitzansprüche, das musste sie sich eingestehen.

Sie sollte schlafen. Paris würde Stress hoch zehn werden. Hoffentlich hatten sie alles so eingepackt, dass es nicht noch stundenlang gebügelt werden musste. Oh Gott, schon wieder Lampenfieber! Obwohl sie noch Stunden von Paris entfernt waren. Ob die Kollektion gut ankam? Römischer Look war ganz schön gewagt. Konnte auch sicherlich nicht jeder tragen. Aber im Grunde ging es sowieso hauptsächlich um das Auffallen. Hatten die Kunden einmal ihren Katalog in der Hand, orderten sie auch die Anzüge.

Terzia fuhr sich mit fahrigen Händen durchs Haar, sah, dass Adam die Augen geöffnet hatte. Schlafzimmerblick. Verdammt, jetzt hatte er ihn schon wieder. Terzia, reiß dich zusammen! Sie schlug die Beine übereinander, was ihm ein Lächeln entlockte. Sie zerrte eine Wolldecke hervor und bedeckte ihre Beine. Fast hätte sie ihm die Zunge herausgestreckt. Demonstrativ schloss sie die Augen – fühlte noch seinen Blick auf ihrem Gesicht.

Pat McCraw



Berührung im Wechsel
Ist es ein Kommen oder ein Gehen,
ein Verlassen oder ein Sehen,
dessen was noch ist und dessen was schwindet,
was uns beschäftigt, als das, was uns findet?
Ist es ein Zufall ohne Entkommen,
oder ein Hauch nur - der Allheit entnommen,
was sich versucht, zu manifestieren,
um sich verströmend dann zu verlieren?
Nur in uns und durch uns, als uralt und doch neu,
entfaltet dich täglich das Leben ganz scheu,
und braucht das Verlangen danach und die Kraft,
aus der Liebe zu leben, die das Leben erst schafft.

Ein Zauber voll unendlicher Zartheit --
wie ein Hauch nur, tief -- und ganz still,
berührt dann die Seele, um zu tun, was sein könnte,
damit sein kann, was sein will.

Jutta Lütjen



Zu den Sternen!
Mit allem, was wir haben, was uns bleibt,
lass uns bauen, was uns in den Himmel treibt!
Und lass vergeuden keine Zeit,
brauchst sie zum Erforschen der Unendlichkeit!
Einmal nur sind wir am Leben,
müssen wir doch nach dem Höchsten streben!
Alle Zweifel dürfen uns nicht hemmen,
unsren schönsten Träumen nachzurennen!
Hoffnungsvoll und entschlossen zum Angriff,
so basteln wir uns unser Raumschiff!
Fertig ist's, es scheppert sehr;
unser letzter Zug zum großen Meer!
Lass uns jetzt von hier entfernen,
auf unsre Reise zu den Sternen!
Drück den Knopf! Bereit zum Start!
Los geht die traumhafte Fahrt!
Ich bet zu Gott, soll er uns geben,
dass wir diese Reise lange noch erleben.

Christian Minor



Tapferkeit
Auch wenn der Weg steil und holprig ist,
will ich, dass du eines nicht vergisst:
Wer auf seinen Wegen schwitzt und leidet,
und auch große Risiken nicht meidet;
wer nicht aufgibt, sondern weitergeht,
damit am Gipfel seine Fahne weht,
der kann am Lebensabend ohne Gleichen,
von den Abenteuern seines Lebens schreiben.
Also geh weiter, wenn du fällst,
auch, wenn du schon vor Schmerzen bellst.
Denn die schwersten Wege führn dorthin,
wo nur die Besten je gewesen sind.

Christian Minor



Blumentopf
Das Leben dreht sich nur im Kreis,
heute und morgen der gleiche Scheiß.
Nicht näher komm ich meinen Träumen,
bin hier bloß am Zeitversäumen.
Fort würde ich gerne gehn,
die Welt und ihre Wunder sehn.
Doch leider ist das nicht so leicht,
mein Leben ist hier festgeeist.
An Schlechtes und an Gutes auch,
das Eine drängt mich, das Andre hält mich auf.
Aber ist woanders eine bessre Welt?
Oder hängt das doch nur an mir selbst?
Ist's nicht egal in welchen Blumentopf
man der Schönheit Samen stopft?
Wächst sie nicht hier wie dort,
wenn man nur fleißig für sie sorgt?
Hab hier viele Wurzeln schon geschlagen,
könnt zum Blühen nur mehr Sonne haben.
Doch die Sonne kommt schon irgendwann,
denn keine Wolke hält sich ewig lang.
Und bin ich dann mal gut gedeiht,
kommt vielleicht ein Bienchen angeschneit!
Dann leben wir glücklich und zu zweit,
bis ans Ende von der Ewigkeit!

Christian Minor



Amaliens Traum
Später hatte Faßbender Feuer gemacht im eisernen Ofen der Stube und bedauernd - doch ohne neuerliche Einwendungen - zugesehen, wie sie Blatt für Blatt der absoluten Verschwiegenheit der Feuerzungen übereignet hatte. Aber Amalie war es wichtig. Die Sache der Genossenschaften sollte weiterhin wachsen und die Menschen stärken für das harte Leben; jedoch ihre privaten Gedanken und Empfindungen, die kleinen familiären Zänkereien, Dispute oder Freuden gehörten nicht der Welt, würden diese möglicherweise in die Irre leiten. Nein, diese Angelegenheiten waren nur ihr eigener Besitz und es reichte, sie in ihrem Kopf und Herz zu verwahren. Wieder hustete sie und pustete dabei unabsichtlich Schneekristalle von den Rauten des Spaliers. Sich erinnernd neigte Amalie den Kopf und lugte durch das kleine wiedereröffnete Fenster, wie einst in schönen Sommern beim kindlichen Räuber und Gendarmenspiel. Rudolf, ihr jüngerer Bruder, hatte sich nie gut tarnen können, jedoch Amalie (Raiffeisen) war die Königin des Versteckspiels gewesen.

Sonja Hauertmann



Sine spe et expectatione
Wie schön mögen die
Schneeverhangenen Waldeskronen
Dem erscheinen
Der nicht so fühlt wie ich
Was hoffst du zu finden
In schwarzkalter Nacht
Wandle deine Wege
Nicht die eines anderen
Sonst wird dich nicht finden
Was du suchst
Wünsch dir nie
Schon da zu sein
Was du liebst
Darfst du nicht leinen
Kurz
Sonst hasst es dich
Und du wirst unglücklich gebissen
Was du auch leiden magst
Mag frei verliebt sein

Werner Moskopp



Hamadryade
Als ich noch jung war
Entlang eines Pfades beliebt ich zu wandern
Im Wulste der Schlucht
So oft sich die Sonne des Frühlings mir gab
Pflegt ich voll Elan zu staken den Stab
Von einem erfrischenden Anblick zum andern
Von einem belebenden Labe zum andern

Als ich noch jung war
Zupass eines Bächleins gewohnt ich zu gehen
Im Wulste der Schlucht
Zumeist da die Sonne den Zenit betrat
Sucht ich im Sprung zu kreuzen den Grat
Zur westlichen Seite des Hügels zu sehen
Zur westlichen Promenade zu sehen.

Ein Ort dort lockt mich noch heute
Da ich nun nicht mehr gehen kann
Zum Hügel - wo der Wald steht
Eine Lichtung steht
Ein kleines Häuslein steht, ein Schornstein weht
Ein Balkon steht...
Winkend steht eine
Eine Stafette steht, darauf steht: ich male dich

Als ich noch jung war
Entlang eines Pfades beliebt ich zu wandern
Im Wulste der Schlucht
So oft sich die Sonne des Frühlings mir gab
Steigt denn die alte Sonne noch? Steht noch der falsche Zenit?
Mir hat sich die Freude zum Ende geneigt
Und die Farben mit denen sie malte... sind längst verbleicht

War jemals ich dorten? An Bächlein an Hütte?
Hat jemal ihr Tanz, ihr Mund mich geküsst...?
Sucht wirklich im Sprung ich zu kreuzen den Grat
Oder tat ich nur all über Jahre die Bitte?
Ich weiß nicht was Wunsch, ich weiß nicht was Tat....
Hat sie mich denn wirklich vom Balkon gegrüßt?
Hat sie mich malend vom Balkon gegrüßt?

Dryade vom Walde nun sag mir doch wahrlicht
Hast du mich jemals vom Balkon gegrüßt?
Wir waren nie dort in der Hütte im Waldlicht
Doch ist dann zugleich unsre Liebe getrübt?
Ja, ich hab dich schon immer geliebt
Und hätte dich gerne nur einmal geküsst
Hätt dich allzu gern als die meine geküsst....

Werner Moskopp



Sterne
Ich? Bin kein Experte
Ich? Mal keine Karten
Doch seh´ ich bisweilen gern zu den Sternen
Sie schließen beizeiten wie Augen die Lider
Nach zwei schnellen Schritten leuchten sie wieder

Ich? Hab´ keine Angst vor tiefen Zisternen
Ich? Bin kein Experte
Ich sehe nur manchmal gern zu den Sternen
Sie verblassen hinter Straßenlaternen
Und mahnen doch zur weitesten Strecke.

Werner Moskopp